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Die Zeit nach der Flut als Chance…?

Der Über-Blick Engelflügel

Seit dem 15 Juli steht nichts mehr an seinen Platz. In unserer Stadt und im Landkreis Ahrweiler liegt nahezu alles in Schutt und Asche, wie man hier im Ahrtal zu sagen pflegt. Viele Schulen sind von der Flut mitgerissen worden und können nicht mehr in der „gewohnten“ Art und Weise betrieben werden. Viele Schüler sind somit verwaist was die Schule angeht. Da stellt sich mir die Frage, ist es an der Zeit, das Konzept der staatlichen Schulen neu zu überdenken und eine neue Form des Lernens zu erschaffen? Die Einrichtungen in denen wir unsere Kinder täglich 6-8 Stunden zum Stillsitzen, Gehorchen, sturem Auswendiglernen von lebensfernen Themen gezwungen haben sind weggeflutet. Ist es vielleicht eine Chance, die Schule und das Lernen natürlicher und kindgerechter zu gestalten?
Es ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Lehrer sich auch eine Befreiung aus den Fängen der Lehrpläne und Regularien des Schulamtes wünscht. Viele Lehrer möchten als Lernbegleiter lebensnahe Themen vermitteln und keine diktatorische, kontrollierende und bewertende Notengeber sein. Sie leiden genauso wie unsere Kinder!
Wir leben in einem demokratischen Staat, in dem das Recht der Kinder auf Bildung komplett in staatlicher Hand liegt, und Eltern, Lehrer und Kinder nichts zu melden haben. Ist das nicht paradox?

Wenn es Eltern gibt, die das staatliche Schulsystem gut finden und in Anspruch nehmen möchten, und die anstehende Containerlösung und Wechselunterricht für gut befinden, dann sei es drum.
Aber es gibt doch auch viele Kinder, Eltern und Lernbegleiter, die ein individuelles Lernen in Anlehnung an die Bedürfnisse der Kinder bevorzugen und umsetzen möchten.
Der Landkreis Ahrweiler hat aktuell die besten Voraussetzungen um als Modellregion neue Wege zu wagen.
Es gibt so viele Helfer, die Potenziale zur Gestaltung neuer Lernräume mitbringen können. Warum rufen wir sie nicht auf und bitten sie um Hilfestellung statt Container auf den zerstörten Schulhöfen hinzustellen?

Scheinbar traut uns der Staat schon lange nicht mehr zu, unsere Kinder adäquat und lebenspraktisch auszubilden. Nur so kann ich mir die Pflichten, die uns als Eltern und Kinder auferlegt werden erklären. Mit Demokratie und Selbstbestimmung hat unser Schulsystem jedenfalls nichts zu tun.
Wir Eltern, speziell die Mütter, werden mehr denn je für den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftsbelebung gebraucht. Für die Förderung, Bildung und Betreuung unseres Nachwuchses sollen wir fremden Menschen und Institutionen blind vertrauen. Die Schulen und ihre Lehrpläne sollen unsere Kinder (UNTER-)RICHTEN. Das fühlt sich absolut nicht stimmig an. Als Mutter sorge ich für das Wohl meines Kindes und möchte selbst entscheiden, was für die psychische und physische Entwicklung meines Kindes förderlich ist.
Lernen soll Freude bereiten und die Begabungen und Interessen der Kinder berücksichtigen. Lernbegleiter (genannt Lehrer) sollen ebenso mit Freude begleiten bzw lehren…… Nichts davon ist derzeit an den staatlichen Schulen zu beobachten.

Und damit unsere Kinder hier in der Flutregion möglichst bald unter staatlicher Führung unterrichtet und aufbewahrt werden können, sind Container als Ersatz für die Schulen angedacht.
Ich wünsche mir für unsere Kinder und uns Eltern keine Notlösungen in Anlehnung an das „alte System“, sondern eine neue, an den Kindern – ihren Bedürfnissen, ihren Begabungen und ihren Interessen – orientierte und sinnvolle Lösung. Unter dem Motto „Lernen in der Lebenswirklichkeit“ oder „selbstbestimmtes Lernen“ können wir die Krise als Chance nutzen und neue Lernformen erschaffen. Was hält uns davon ab, neue Wege zu gehen? Weg von künstlich erschaffenen Lernräumen hin zu dem Lernen in der Wirklichkeit. Die Kinder sind die Zukunft unserer Welt, unseres Landes und unserer Region und wir haben die Chance, sie an dem (Wieder)Aufbau ihres Lebensumfeldes zu beteiligen. Wo auf dieser Welt kann man so viele Lern- und Arbeitsbereiche ganz praktisch kennenlernen und mitgestalten?
Lerncontainer oder auch Schulbesuch in den Nachbargemeinden im Wechselunterricht scheinen momentan die Lösungsmodelle unseres Landkreises zu sein. Ich frage mich, wie es gelingen kann, unsere „weggespülte Komfortzone“ zu überdenken und neu zu definieren.

Unsere Häuser und Wohnungen aufzubauen ist wichtig und beschäftigt uns und viele Helfer aus allen Regionen Deutschlands. Aber die Zukunft unserer Kinder zu gestalten scheint gerade brach zu liegen, wird auf Unterricht in Containern oder überfüllten Klassen reduziert.

Wie geht es unseren Kindern mit alldem? Was wünschen sie sich für die Zukunft?! Hat jemand die Kinder mal gefragt, ob sie gerne in Containern oder in fremden Schulen mit langen Anfahrtszeiten im Wechselunterricht unterrichtet werden wollen?
Hat sie jemand befragt, wie und was sie gerne lernen möchten? Was sie besonders interessiert und was sie gerade jetzt brauchen? Und wenn ja, inwieweit darf ich als Elternteil darauf Rücksicht nehmen und die traumatisierte Seele meines Kindes auffangen?!
Gerade jetzt bieten die Umstände die Möglichkeit kindgerechte Lern- und Lebensgemeinschaften zu bilden. Kindern in kleinen Gruppen, mehr Vielfalt und Auswahl zu bieten. Wir haben so viele Kompetenzen und Ressourcen in diesem Landkreis und könnten jetzt endlich von der uns suggerierten Norm abweichen und eine neue bedürfnisorientierte Lernform und Lebensform für uns alle erschaffen.
Es fühlt sich so an, als könnte die Zeit nach der Flutkatastrophe der Beginn einer neuen Ära für uns alle werden. Jetzt, wo die Flut die „RESET-Taste“ unseres „so Seins“ betätigt hat, könnten wir es wagen, als Modellregion für neue Wohn- und Lernformen anzutreten.
Ein Aufwachen, Überdenken, Neues wagen, aus alten Strukturen ausbrechen und vielleicht auch finanzielle Ausgaben zu reduzieren sind die Chancen, die uns die Flut hinterlassen hat. Werden wir sie erkennen und ergreifen?

Bad Neuenahr, August 2021
Marjam

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