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Familie Mustermann im Lockdown – Moritz (45)

Familie Mustermann im Lockdown

Moritz (45)
Mein Name ist Moritz Mustermann. Ich liebe meine Frau und auch meine Kinder, aber nach wochenlangem Lockdown gehen sie mir einfach nur noch auf die Nerven.
Ich wusste beispielsweise vor Corona nicht, dass kleine Mädchen von vier oder zehn Jahren so durchdringend und lang anhaltend kreischen können. Oder dass meine Frau keift wie ein altes Fischweib. Ich achte darauf, dass die Tür zum Wohnzimmer, in dem ich mir mein Büro eingerichtet habe, stets geschlossen ist. Aber selbst dann noch dringt der Lärm durch die Ritzen und ich zucke jedes Mal zusammen, wenn die Sirenen drüben losgehen. Schön peinlich übrigens, wenn ich gerade eine Videokonferenz habe und selbst meine Zoom-Partner erschrocken vom Bildschirm herab gucken wegen diesem ganzen Geschimpfe. Meine Kollegen denken bestimmt, Marie verprügelt die Kinder.
Aber das tut sie nicht. Sie schreit nur. Eigentlich bewundere ich sie dafür. Mir wäre schon längst die Hand ausgerutscht und manchmal, naja, da stelle ich mir direkt vor, wie ich Merle eine Ohrfeige verpasse oder Maike in die Ecke schubse. Wenn ich ehrlich bin, ist das der wahre Grund, warum ich mich darum drücke, Hausaufgaben mit ihr zu machen. Obwohl Marie dauernd in mich dringt und zetert, ich müsste mich auch mal an diesem Homeschooling-Zeugs beteiligen. Vielleicht sollte ich das Marie mal sagen? Andererseits, wenn ich ihr anvertraue, dass ich mittlerweile oft das Bedürfnis habe, unsere Mädchen zu schlagen, dann kriegt die doch die Krise!
Um Malte, unseren Großen, mache ich mir wirklich Sorgen. Er ist so in sich gekehrt, seit wir im Lockdown sind. Früher war das anders. Ich weiß, wie er immer mit seinen Freunden raus ist zum Fußball spielen. Bei Wind und Wetter! Dann kam er oft von oben bis unten schlammbespritzt, aber mit leuchtenden Augen wieder, und ich habe ihn ausgefragt, wer welches Tor geschossen hat, während Marie Schnappatmung gekriegt hat. Waschen muss sie seine Klamotten jetzt nicht mehr so oft. Er hockt ja nur noch in seinem Zimmer. Auch wenn ich ihn am Wochenende frage, ob er wenigstens mit mir mal raus will, damit wir ein Gespräch unter Männern führen können oder wenigstens zu zweit zum Sportplatz wollen, sagt er, er muss noch so viel für die Schule machen, er hätte keine Zeit. Dann höre ich kurze Zeit später seinen lauten Heavy-Metall-Krach und wenn ich in sein Zimmer gucke, liegt er auf seinem Bett und starrt an die Decke. Naja, mit 17, ich weiß noch, was ich da alles gemacht habe. Ich hing ständig nur mit meiner Clique zusammen. Ich hätte auch keine Lust gehabt, nur mit meinem Vater was zu unternehmen.
Wenn uns wenigstens mal Maries oder meine Eltern besuchen würden, aber da hat sie wieder diese Angst, es könnte was passieren mit Corona. Ich sage ihr, dass wir das doch nun gar nicht mehr kriegen können, weil wir ja sowieso niemanden mehr treffen, dass diese ganze Panik ganz schön aufgebauscht wird und es doch auch wichtig ist für unsere Leute, dass sie ihre Enkelchen sehen können. Und umgekehrt genauso. Aber sie will es eben nicht. Da könnte ich sie echt auf den Mond schießen.
Es sind so viele ungesagte Dinge zwischen Marie und mir. Manchmal ist es so, als würden wir auf zwei verschiedenen Planeten leben, dabei trennen uns die meiste Zeit nicht mal zehn Meter. Aber allein miteinander mal über uns und unsere Sorgen reden, das kriegen wir nicht hin.
Vor Kurzem hat sie angefangen, mir zu erzählen, dass sie mit ihrer Freundin eine große Party feiern will, wenn der ganze Corona-Kram vorbei ist und alles wieder wie früher ist. Ich lasse sie dann träumen. Aber ganz im Ernst, ich glaube nicht, dass je alles wieder wie früher wird.

(K.G.)

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